Meine Schwester Veronika führt einen Gasthof mit Hotel. Ihre Website ist besser gepflegt als die der meisten Betriebe in der Gegend. Trotzdem wollte ich wissen: Was findet ein KI-Assistent, wenn man ihn systematisch drauf schauen lässt?
Ich arbeite beruflich viel mit Copilot und mit Claude, meistens an Abläufen in Microsoft 365. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man das Werkzeug an etwas ausprobieren will, das einem selbst am Herzen liegt.
Der Aufbau: ein Prüfraster statt „schau mal drüber“
Die naive Variante wäre gewesen, die Adresse in den Chat zu werfen und „Was hältst du davon?“ zu fragen. Das Ergebnis ist dann genau so beliebig, wie die Frage war: fünf freundliche Absätze, die auf jede Website der Welt passen.
Stattdessen habe ich vorher gesagt, wonach gesucht werden soll – ungefähr so, wie man einem neuen Kollegen eine Checkliste in die Hand drückt:
- Erster Eindruck: Erkennt jemand in fünf Sekunden, was der Betrieb anbietet und für wen?
- Auffindbarkeit: Was passiert bei einer Suche nach dem Betrieb? Was steht in den Verzeichnissen?
- Technik: Ladezeit, Bilder, Darstellung auf dem Handy.
- Pflichtangaben: Impressum, Datenschutz und was sonst noch verlinkt sein muss.
- Weg zur Buchung: Wie viele Klicks bis zur Reservierung?
Erst mit diesem Raster wurde die Rückmeldung brauchbar. Das ist die wichtigste Lektion des ganzen Versuchs, und sie hat mit KI eigentlich gar nichts zu tun: Ein gutes Ergebnis fängt bei einer guten Frage an.
Was gut funktioniert hat
Das systematische Abarbeiten. Jede Unterseite wurde durchgegangen: Öffnungszeiten, Online-Buchung und Speisekarten sind vorhanden und verlinkt, die Pflichtangaben sitzen im Fußbereich, die Seite bricht auf dem Handy sauber um. Das ist stumpfe Arbeit, für die man als Mensch eine halbe Stunde und viel Geduld braucht – und die eine Maschine nicht langweilig findet.
Stark war der Assistent auch bei den Dingen, die man aus Gewohnheit übersieht. Beispiel Speisekarte: Sie liegt als PDF zum Herunterladen bereit. Für den Betrieb ist das praktisch, weil sich das Dokument mit einem Klick tauschen lässt. Für den Gast am Handy bedeutet es: Datei laden, hineinzoomen, wieder zurück. Und für die Suchmaschine bedeutet es, dass niemand über ein Gericht auf der Seite landet, weil der Text in einem PDF steckt statt auf einer Seite zu stehen.
Ein Assistent findet zuverlässig, was auf einer Seite fehlt. Ob sie Lust auf einen Besuch macht, findet er nicht.
Und die Sache, bei der er danebenlag
Er hat mir einen Vorschlag für den Startseitentext geschrieben. Sprachlich sauber, strukturell richtig – und komplett austauschbar. „Erleben Sie schwäbische Gastlichkeit in familiärer Atmosphäre.“ Solche Sätze stehen auf tausend Gasthof-Websites, und genau deshalb liest sie niemand.
Was auf der Seite meiner Schwester tatsächlich funktioniert, ist der Satz, mit dem sie ihre Gäste begrüßt: „Grüß Gott und willkommen.“ Das klingt nach dem Ort und nicht nach Textbaustein. Solche Stellen kann ein Assistent nicht erfinden, weil sie aus dem Betrieb kommen und nicht aus der Sprache.
Was ich mitgenommen habe
- Prüfen ja, texten nur mit Aufsicht. Bestandsaufnahme, Vollständigkeit, Technik – dafür ist so ein Assistent hervorragend. Beim Ton der Seite braucht es einen Menschen, der den Betrieb kennt.
- Ein Raster schlägt eine offene Frage. Je genauer die Kriterien, desto konkreter das Ergebnis.
- Nachprüfen bleibt Pflicht. Alles, was in eine Entscheidung einfließt, habe ich selbst nachgeschaut.
Der praktische Ertrag: eine Liste mit rund einem Dutzend konkreter Punkte, davon die Hälfte an einem Nachmittag erledigt. Kein Relaunch nötig. Das ist bei so einer Prüfung fast immer das ehrlichste Ergebnis – und das unbeliebteste, weil es sich nicht verkaufen lässt.
Falls du so etwas für deinen eigenen Auftritt brauchst: schreib mir, ich schaue gern drauf.